17. Frauen 40+ Job & Karriere: Warum Erfahrung unsere Superkraft ist!

Shownotes

Themen dieser Folge:

  • Der Traumjob, auf den sie sich nicht beworben hat, und warum wir uns so oft selbst aussortieren
  • „Ich bin zu alt dafür“: warum dieser Gedanke kein Fakt ist, sondern eine alte Gewohnheit
  • Die 100-Prozent-Falle: Frauen bewerben sich erst, wenn sie alles erfüllen, Männer schon bei 60 Prozent
  • Unsere unterschätzte Superkraft: Erfahrung, Menschenkenntnis, Gelassenheit und Klarheit
  • Wechseljahre und Arbeit: warum jede fünfte Frau ihre Arbeitszeit reduziert
  • Passung statt Stunden: warum der falsche Job auch in Teilzeit Kraft kostet und der richtige Energie gibt
  • „Ein Job ist kein Wunschkonzert“, und warum wir diesen Satz loslassen dürfen
  • Wenn Jobsicherheit gerade an erster Stelle steht: auch das ist völlig okay
  • Fachkräftemangel, Jobsharing und neue Arbeitsmodelle: Der Arbeitsmarkt braucht uns
  • Kleine Schritte statt großer Plan: wie du ab morgen anfangen kannst

5 Impulse zum Mitnehmen:

  1. Bewirb dich, auch wenn du nicht alles erfüllst. 60 bis 70 Prozent reichen.
  2. Erzähl von deiner Erfahrung statt dich für dein Alter zu entschuldigen.
  3. Schreib deine Stärken auf, vor allem die menschlichen.
  4. Frag dich ehrlich, ob dein Job zu deinen Werten von heute passt.
  5. Informier dich über neue Arbeitsmodelle und frag in deinem Netzwerk nach.

Und jetzt du: Welche Stärke hat dir dein Berufsleben geschenkt, die du viel zu selten anerkennst? Schreib es uns!

Wichtig: Wir sind keine Ärztinnen und keine Psychologinnen. Diese Folge ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Beschwerden in den Wechseljahren wende dich bitte an deine Ärztin.

Quellen & Studien:

Hewlett-Packard-Bericht, bekannt gemacht durch Tara Mohr, Harvard Business Review (2014): „Why Women Don't Apply for Jobs Unless They're 100% Qualified“ LinkedIn-Daten zum Bewerbungsverhalten: Frauen bewerben sich seltener, werden aber häufiger eingestellt IAB-Forum: Wechseljahre und Arbeit als unterschätztes Tabuthema Smit & Malik (2026): Purpose-led Career Change and Well-being – The Experience of Midlife Women, Journal of Career Development Vogelsang, Olson & Shultz (2018): Emotional well-being following a later-life career change ifo Institut (2025) und DIW Berlin (2025) zu Fachkräftemangel und dem Potenzial von Frauen und älteren Erwerbstätigen Cattell/Horn (kristalline und fluide Intelligenz); Laura Carstensen, Socioemotional Selectivity Theory

HeyFreundin, kannst du reden?! – der Podcast für Frauen im Midlife. Jeden Dienstag eine neue Folge. 📸 @heyfreundin.podcast · ✉️ podcast@heyfreundin.de

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Nina: Ich erzähl dir jetzt mal was. Also 'ne Freundin von mir, Klug, erfahren, mega. Macht ihren Job jetzt seit knapp 20 Jahren die macht den mit Leidenschaft. ist aber dabei, sich einfach umzuorientieren, bleibt in ihrem Bereich, guckt aber nach 'nem neuen Job. Erzählt mir, sie hat 'ne Stellenanzeige gesehen. Traumjob für sie. Wie für sie gemacht Draga: Oh, wie schön. Und hat sie sich beworben? Nein. Nina: Nein. Ich seh grad Draganas verwirrtes Gesicht. Ja. Ihr Feedback: Sie hat die Anzeige gesehen. „Ja, ich glaub, so wie die formuliert war, ich weiß nicht, ich bin dafür einfach zu alt. Und dann ist da auch ein, zwei Punkte von diesen Anforderungen, den erfüll ich einfach nicht ganz.“

Draga So einen von zehn, dieser Klassiker, den eine Frau nicht erfüllt. Oh mein Gott. Und weißt du, was mich daran fast wütend macht? Dass wir uns mit Mitte 40 immer noch so kleinreden, obwohl wir gerade so viel mehr können. Also wir, wir können ja mehr als, als nie: zuvor in unserem Leben. Nina: exakt genau das. Und ich saß daneben und hörte das und dachte mir auch nur: „Wieso machen wir das und wieso machen wir das eigentlich immer noch?" Draga: Weil uns irgendwer eingeredet hat, Freundin, dass ab 40 im Job das Ende der Fahnenstange ist. Der Zenit ist überschritten, wie, wie man so schön sagt. Nina: Und heute reden wir genau dadrüber, warum das alles kompletter Quatsch ist. Warum genau das, was wir für einen Nachteil halten, unsere Erfahrungen, unser Alter, in der Wahrheit wirklich eine unserer größten Stärken ist. Hey Freundin, willkommen bei „Hey Freundin, kannst du reden?" Wir sind Nina und Draga, zwei Freundinnen Mitte 40 aus Stuttgart und das hier ist dein Podcast für alle Frauen im Midlife. Draga: Für Mütter, für Frauen mit Karriere, für alle, die versuchen, das alles gleichzeitig zu stemmen und sich zwischendurch fragen: Wo bleibe eigentlich ich in dem Ganzen?

Nina Hier reden wir ehrlich mit Studien, mit echten Geschichten und immer mit dem: Gefühl: Du bist definitiv nicht alleine. Ich bin Nina. Draga: Und ich bin Draga und heute geht es um ein Thema, das mich gleichzeitig wütend und richtig hoffnungsvoll macht: Unser Wert im Job ab 40. Warum so viele von uns glauben, sie seien zu spät oder zu alt und warum die Fakten genau das Gegenteil sagen. Nina: Und ganz wichtig vorweg: wir reden wie immer hier nicht von oben herab. Wir kennen dieses Sich-Kleinmachen nur zu gut aus unserem eigenen Leben. Draga: Und das sagen wir auch gleich am Anfang: Das hier ist erst so 'n kleiner Blickwinkel. Das Thema ist riesig. Wir machen dazu noch eine ganze Reihe auf Instagram. Nina: Heute fangen wir mit dem an, was den meisten von uns am meisten im Weg steht: unser eigener Kopf Draga: Ach, fangen wir ehrlich an, Freundin. Kennst du diesen Gedanken? Dafür bin ich zu alt. Nina: Von mir selbst? Draga: Ja

Nina Absolut. Ähm, dafür bin ich zu alt und ich hatte original das: Gleiche davor mit „Bin ich zu jung?“, weil ich relativ früh mit meinem Studium fertig war und immer das Gefühl hatte, da bin ich noch zu jung für. Und ich war dann auch noch zu jung oder ich war noch zu jung für diese Führungsposition eigentlich. Oder kann ich mich da drauf bewerben? Ich entspreche allen Kriterien, aber ich bin zu jung. Und jetzt hab ich heutzutage das Gefühl manchmal, ich hätte diese, diese Phase dazwischen verpasst und jetzt denke ich für vieles: „Oh, bin ich nicht zu alt?“ Also zu alt im Sinne von oft auch: „Sind da nicht schon so viele andere junge Frauen?“ Ich mach grad junge in Anführungszeichen hier, die das auch abdecken. Draga: Mhm. Nina: Aber auch wenn ich die Vergangenheit mir anschaue, rückblickend, nicht nur das zu alt, aber wie oft ich mich früher nicht auf Sachen beworben habe oder hätte, weil da zwei Sachen waren, bei denen ich dachte: „Nee, das erfüll ich nicht Draga: Ja, ja, das ist so der Klassiker.

Aber wegen diesem Alter, genau das ist ja der: Punkt. Es ist ja keine Tatsache. Es ist ein Satz, den wir irgendwann irgendwo übernommen haben. In der Werbung wird es uns gezeigt, aus irgendwelchen Serien, generell aus irgendwelchen Sprüchen wie: „Mit 50 stellt dich doch keiner mehr ein." Irgendwo wurde da, irgendwo hat das jemand mal blöd dahergesagt und es hat sich so eingebrannt. Und Nina: hat sich so verankert im Gehirn und wir tragen dann diese Sätze oft für uns selbst weiter, ohne wie immer die Fakten und Tatsachen wirklich überprüft zu haben. Wir denken dann zu alt und bewerben uns erst gar nicht. Wir denken zu spät und fangen erst gar nicht mit dieser Weiterbildung an, die wir vielleicht gerne machen würden. Und wir, sortieren uns dann teilweise bei Stellenausschreibungen oder auch bei Gesprächen, weißt du, so Networking wo's auch dann wiederum um Positionen geht, selbst aus, bevor's überhaupt irgendjemand anders für uns getan hat.

Draga Ja. Und das ist so schade, weil wir damit eine: Entscheidung treffen, die eigentlich gar nicht unsere ist. Wir nehmen ein Urteil vorweg, das die Welt uns nie so klar gegeben hat. Nina: Deshalb ist die erste Frage heute eigentlich auch nicht: Wie überzeuge ich andere? Sondern: Glaube ich diesen einen Satz eigentlich zu Recht? Und da lohnt sich wie immer ein ehrlicher Blick auf die Zahlen, denn die sagen natürlich was ganz anderes. Es gibt da eine Zahl, die schon 'ne Weile, herumgeht oder Studie und, sie trifft leider oft, genau ins Schwarze. Sie stammt aus einem internen Bericht von Hewlett-Packard, später bekannt gemacht über Harvard Business Review Draga: Und w-was sagt die aus Nina: Das, das echt irgendwie gruselig, denn Frauen bewerben sich auf eine Stelle im Schnitt erst dann, wenn sie glauben, fast 100 % die Anforderungen zu erfüllen. Männer hingegen bewerben sich schon bei circa 60

Draga 60 %, überleg mal. Total lässig. Er liest die Anzeige, denkt „Passt schon: ungefähr", und klickt auf Absenden. Und wir lesen dieselbe Anzeige, finden den einen Punkt, den wir nicht können, zerdenken komplett alles. Dann spielen die anderen 30 Punkte, die wir komplett zu 100 % wahrscheinlich übererfüllen, keine Rolle mehr, machen den Laptop wieder zu. Und weißt du, was ich daran am spannendsten finde? Der Grund dahinter ist nicht, dass Frauen weniger können oder sich weniger zutrauen. Als man genauer nachgefragt hat, kam etwas, nämlich w-was ganz anderes heraus. Viele Frauen bewerben sich nicht, weil sie die Anforderungen ernster nehmen. Sie denken: „Da steht, man braucht das, also ist das eine Bedingung. Und ich will niemandem die Zeit stehlen, wenn ich sie nicht erfülle." Das ist irgendwie schon fast rührend. Wir halten uns brav an die Regeln und schießen uns damit selbst ins Aus. Nina: So ist es. Eigentlich leider mal wieder keine Überraschung. Draga: Ja.

Nina Und es ist ja kein Mangel an Fähigkeit oder an Fähigkeiten. Es ist dann der Anstand, der sich gegen uns wendet. Die gute Nachricht ist: Wenn das der Grund ist, dann können wir das ändern. 'Ne Stellenanzeige, wissen wir alle selbst, ist keine Prüfungsordnung. Es ist eine komplette Wunschliste. Und wie immer, den perfekten Mensch, der das alles erfüllt, den gibt es fast nie. Draga: dass wir Frauen einfach ... Wir haben einfach dieses Thema, wir wollen die perfekte Arbeitnehmerin sein, die perfekte Mutter, die perfekte de, de, de. Bedeutet aber nicht, dass der Mann skrupellos ist und sich dann auf alles bewirbt und denkt, er bekommt das. Nein, wir können, was diese Sicht betrifft, können wir wirklich 'ne Menge von Männern lernen. Nina: Bin ich ganz bei dir und es gibt natürlich, ist uns auch bewusst, da draußen Frauen, die das nicht haben, die sich das angucken und sagen: „Nein, ich kann das", und oder „Ich erfüll das zu 70 %. Das reicht. Ich weiß, wie schnell ich lernen kann. Ich weiß, wie schnell ich dazulerne. Da bewerb ich mich." Mega. Draga: Und die feiern wir. Die müssen das unbedingt an andere Frauen weitergeben.

Nina ganz toll. Nur zur Bewusstwerdung Das: Gros der Frauen von uns ist nicht so Draga: Ja. Und es gibt sogar Daten von LinkedIn, die zeigen: Frauen bewerben sich zwar seltener, aber wenn sie es tun, werden sie sogar häufiger eingestellt. Wir sind also nicht das Problem. Unser Zögern, diese Zeit, die wir verschwenden, bis wir dann auf Absenden drücken, also absenden im Sinne von Lebenslauf verschicken, das ist das Problem Nina: Also merk dir diesen Satz, Freundin: Die 60 % reichen ihm, deine 80 % reichen dreimal. Draga: Wow, das ist richtig gut. Und jetzt kommt der Teil, den ich, ähm, gern mag, weil wir so darauf getrimmt sind im Alter nur die Verluste zu sehen. Aber im Job gewinnen wir mit den Jahren richtig dazu

Nina Und das ist jetzt nicht hier irgendwie für den Podcast dahergesagt In der Psychologie unterscheidet man normalerweise von grob zwei Arten von Intelligenz. Die eine, also das schnelle Denken, Tempo, neue Infos rasch aufsagen, aufsaugen, das jetzt: grob gesagt. Und das ist mit Anfang 20, Mitte 20 am höchsten. Aber die andere: Erfahrungen, Erfahrungswissen, Urteilsvermögen, Zusammenhänge sehen und erkennen, Menschen einschätzen, die steigt weiter mit dem Alter und das bis weit, weit in die 50er. Draga: Und das heißt, mit Mitte 40, also 45 plus, sind wir nicht im Abstieg. Wir sind auf dem Höhepunkt von genau den Fähigkeiten, die im echten Berufsleben zählen. Side fact: Außer es kickt irgendwie die Perimenopause rein mit ihren kleinen Wehwehchen Nina: dir von hinten in die Beine. Draga: dir von hinten in beide, du sagst zusammen. Nina: Und das ist ja was, denk mal dran, was uns keiner mehr nehmen kann. Wir haben schon Krisen überstanden, im Job und auch privat. Wir wissen, wie man etwas zu Ende bringt.

Wir wissen, wie man etwas startet, auch wenn es unbequem ist. Wir können Raum lassen. Wir merken in drei Sekunden, ob in einem: Meeting die Stimmung kippt Draga: Oh, das ist gut. Und vor allen Dingen, wir kennen Menschen. Wir haben ein Netzwerk aufgebaut. Wir müssen nicht mehr jeden Konflikt gewinnen, um uns sicher zu fühlen. Und wir verzetteln uns nicht mehr so leicht, weil wir wissen, was wichtig ist oder was einfach nur laut ist. Nina: Und dazu kommt dann einfach die emotionale Klarheit, die irgendwie Midlife einsetzt. Die Forschung zur Gefühlsregulation zeigt: Viele Menschen werden mit dem Alter gelassener, lassen sich weniger aus der Bahn werfen. Und wir reden jetzt nicht von unseren Perimenopause-Attacken. Und selbst da ist es in all dem Chaos in unserem Kopf, wissen wir trotzdem in uns ja mehr, wer wir sind, auf was wir Bock haben und auf was wir keinen Bock mehr Draga: Absolut. Nina: Und das ist da genauso. Und im Job ist das trotzdem Gold wert. Das ist der Unterschied zwischen jemandem, der in Panik verfällt und jemandem, bei dem alle wissen: „Hey, wenn's brennt, behält sie trotzdem den Kopf klar."

Draga Und das ist unsere: Superkraft, Freundinnen. Nicht trotz unserer Jahre, sondern wegen unserer Jahre. Nina: Und ich glaube, wir haben beide schon so verschiedene Beispiele gehabt, wie gesagt, wo wir uns auf Sachen nicht beworben haben, weil wir uns so infrage gestellt haben. Und wir haben's heute noch, wo wir einfach vielleicht nicht auf Bewerbung, aber Dinge manchmal nicht tun oder Projekte nicht angehen, weil wir denken irgendwie: It's a young girl's game. Draga: Ja. Es ist, es ist tatsächlich irgend, ja, so, so 'n Stück weit irgendwie 'ne Unsicherheit, vielleicht dem nicht gerecht zu werden. Auch grade was die neuen Berufsbilder betrifft. Das ist bei mir so'n Punkt. Alles so im, im Digitalbereich. Weil ich nach wie vor, ich, ich- Nina: Du hast so 'n bisschen das Gefühl, der Zug wär abgefahren.

Draga Ich struggle total alleine hier mit unserem Instagram Account. Das ist für mich, mir macht das so viel Spaß. Ich möchte so viel von uns rausgeben, aber es ist so schwierig für mich, das irgendwie zu, zu, zu handeln. Und ich glaube auch so, diese, alle neuen Jobs aus dem Digitalbereich sind so: Oh, da hab ich Nee, Nina: du sprichst auch, als wärst du 84. Draga: Ich habe da so'n bisschen Ehrfurcht davor. Und letztlich kannst du dich in alles einlesen. Ich seh's ja an dir. Also du bist ja autodidaktisch. Das ist ja so mega, das feier ich so an dir. Das find ich richtig toll. Ja, und ich glaube auch, wenn wir alle mal zwischendrin innehalten und zurückdenken, als wir jünger waren im Berufsleben, Mhm ... an Nina: Frauen, die in unserem Alter waren, dann... Ich weiß, dass ich es eigentlich oft hatte, dass ich gedacht hab: „Okay, die war 45, 48, Anfang 50 und ich denk mir: „Dieses Standing, das die hat. Draga: Diese Ruhe, die Nina: Ja, dieses Standing, diese Gelassenheit, mit der die in dieses Meeting einläuft und da irgendwie alle im Griff hat. Hammer.

Draga Und wir waren zwar schnell, wir waren so, ne, pfiffig und sind immer hin und her gewuselt, aber diese eine Frau- Ja ... einfach auch wusste „Hey, wenn jetzt 'n Sturm ausbricht, stell dich, stell dich zu: ihr." Nina: Ja. und jetzt aber separieren wir uns irgendwie geistig davon, anstatt so das so zu channeln. Draga: Total. Und jetzt müssen wir ehrlich sein, denn es gibt natürlich auch 'ne andere Seite. Ganz viele Frauen ziehen sich in genau dieser Phase beruflich zurück. Nina: Und Draga: das hat handfeste Gründe auch. Nina: Und wie wir's eben schon angesprochen haben, ein großer, über den auch nach wie vor immer noch zu wenig geredet wird in diesem Zusammenhang, sind die Wechseljahre. Und die Zahlen sind eindrücklich. In Deutschland reduziert rund jede fünfte Frau, also etwa 20 %, wegen Wechseljahresbeschwerden ihre Arbeitszeit. International geht man davon aus sogar, dass jede zehnte darüber nachdenkt, den Job ganz aufzugeben zu dieser Zeit Draga: 20 %. Und das ist keine Randnotiz. Das ist tatsächlich eine stille Massenbewegung. Das ist viel.

Nina Und das Arbeitsmarktforschungsinstitut IAB: nennt es genauso: Ein unterschätztes Tabuthema. Schlaflose Nächte, Hitzewallungen, starke Konzentrationsprobleme. Und dann sitzt du in 'nem Meeting und denkst: "Ich funktioniere grade so nicht, so wie ich das von mir kenne und keiner spricht drüber und hier kann ich es sicher nicht ansprechen." Draga: Ja, und an der Stelle auch ganz wichtig, damit wir das klarstellen: Wir sind keine Ärztinnen. Wir geben hier keine medizinischen Ratschläge. Das Medizinische überlassen wir bewusst unseren zukünftigen Gästinnen. Das sind echte Expertinnen, die dazu bald auch bei uns zu Gast sein werden. Da freuen wir uns sehr drauf. Uns geht es heute nur um das Gefühl und um die Arbeitswelt drumherum.Und auch ganz wichtig, weil wir hier niemanden unter Druck setzen wollen: Wenn du sagst, „Ich brauche gerade eine komplette Pause, ich will im Moment gar nicht arbeiten" und du kannst dir das auch leisten im, ähm, wirtschaftlichen Hinsicht, dann ist das natürlich vollkommen okay.

Wirklich, absolut. Wenn du das brauchst,: ist das kein Rückschritt und schon gar kein Versagen. Nina: Absolut. Es gibt kein richtiges Pensum. Vollzeit ist gut, Teilzeit ist gut. Pause nehmen von dem Ganzen ist genauso gut. Das entscheidest du, wie's für dich passt. Draga: Aber, und das ist der zweite Teil: Bei vielen ist es gar nicht nur das Hormonelle, da kommt nämlich noch was dazu Nina: Bei ganz vielen Frauen haben sich in dieser Phase Veränderungen ergeben, die ihre Prioritäten verschoben haben. Die Werte, die Erwartungen an unser eigenes Leben. Und dann merkst du plötzlich, die Firma oder der Job, in dem ich hier grade bin, der passt da eigentlich gar nicht mehr rein in dieses Konstrukt Draga: Und dann kommt dieser typische Satz, oder: „ Das ist doch nur ein Teilzeitjob. Gerade mal 18, 20 Stunden, das sollte ich doch aushalten." Als ob sich das Falsche mit weniger Stunden von alleine richtig anfühlen würde. ist ja Zeit, das ist ja Lebenszeit trotz allem.

Nina Komplett. Und genau da ist der Denkfehler. Ich hatte das in den letzten Jahren 'n paar Mal mit weiblichen Kundinnen und du: weißt, dass viel mehr Männer zu mir Draga: kommen Nina: für die Karriereberatung als Frauen, weil's Frauen immer infrage stellen: „Soll ich das wirklich machen? Soll ich da für mich Geld investieren?" Während die Männer alle so sind: „Hey, sofort." Ja. Und das seh ich immer, diese Frage: Draga: „Hm, Nina: ja, ich kann das doch einfach aushalten." Aber wenn ein Job nicht zu dir passt, dann saugt er dich aus. Egal ob das 18 Stunden sind oder 40. Und das Problem ist, diese 18 Stunden kosten dich dann die Energie in dem Job, der dich aussaugt, wie als würdest du 35 Stunden arbeiten. Draga: Mhm. Nina: Da ist die Stundenzahl überhaupt nicht das Problem. Diese Anpassung ist es. Draga: Und andersherum? Nina: Ja, genau, weil andersherum du kennst das wahrscheinlich von dir, ich von mir: Wenn der Job zu dir passt, dich beflügelt, dich widerspiegelt, ja auch zu deinen Werten passt, dann passiert das Erstaunliche.

Du arbeitest plötzlich sogar gegebenenfalls mehr Stunden oder: du bist in 'nem neuen Job und bist eingestellt worden für mehr Stunden und du merkst es gar nicht. Es gibt dir noch Energie. Stell dir mal vor, die Stunden, die wir jetzt in den Podcast investieren, was ja 'ne Menge Draga: ist. Ja. Nina: Hätte jemand uns vorher gesagt, dass wir diese Anzahl pro Stunden pro Woche Draga: Ja ... in Nina: einen anderen Job noch investieren müssten oder in unseren Jobs noch mit zusätzlich aufbringen müssten, hätten wir gesagt: „Das geht nicht. Das bekommen wir nicht hin. Wie sollen wir das zum Teufel noch schaffen?" Draga: Jeden Dienstag eine Podcast-Folge. Wir sind jetzt bei 15 Podcast-Folgen und wir sind sehr stolz drauf. Nina: Ja und aber was das für ein zeitlicher Aufwand ist, das aufzunehmen, das zu organisieren, die Themen auszuwählen, die Nachbearbeitung, das Editing, die Show Notes, die Episodenbeschreibung, all diese Dinge. Aber es beflügelt uns Draga: Total. Es erfüllt mich ganz, ganz besonders.

Nina Und das ist genau dieses, du denkst, wir Frauen reden uns ein „Ach, das sind nur 15 oder 18 Stunden, ist egal,: wenn das eigentlich mir keinen Spaß macht.“ Nein, es ist nicht egal. Draga: Ja. Nina: Weil natürlich musst du Geld verdienen. Aber können wir vielleicht versuchen, das zu verdienen und es geht natürlich nicht von heute auf morgen auf eine Art und Weise, die dich nicht aussaugt Draga: Ja, und das ist so 'n wichtiger Gedanke. Wir denken immer weniger Stunden gleich weniger Belastung, aber die falsche Sache in kleiner Dosis kann anstrengender sein als die richtige in großer. Das, was du grad gesagt hast. Und das ist sogar erforscht. Ich hab 'ne Studie dazu rausgesucht, speziell zu Frauen im Midlife, die beruflich noch mal etwas verändern und die berichten hinterher von deutlich mehr Zufriedenheit und Wohlbefinden. Aber, und das ist die entscheidende Nuance: Nicht das Wechseln an sich macht glücklich, sondern dass e-, dass es eine Veränderung ist, die du selbst gewählt hast, weil sie zu dir passt. Nina: Überleg dir das Draga: Ja, also nicht Flucht, sondern die Richtung hast du angepasst. Nina: Ist das nicht so spannend, wenn man da drüber nachdenkt? Draga: Total.

Nina Also nicht weg von etwas,: sondern hin zu dir. Und na klar, wir wollen hier nichts beschönigen. Für viele von uns ist Jobsicherheit gerade das Allerwichtigste oder sehr, sehr wichtig wenigstens. Rechnungen müssen bezahlt werden, Menschen hängen von uns ab. Wenn das deine vollkommene Lebensrealität gerade ist, dann ist das doch vollkommen in Ordnung und dann ist das so und wir alle verstehen das total Draga: Richtig. Und dann darfst du das Thema Passung erst mal zur Seite legen, ganz ohne schlechtes Gewissen. Und wenn sich deine Situation irgendwann ändert, holst du dir diese Folge einfach wieder raus. Nina: Ganz genau so. Und du kannst trotzdem immer die Augen offen halten. ich sag ja immer so, wir denken immer von jetzt grade in den neuen Job direkt hinein. Nein, auch wenn du in dieser Situation bist, dass du an dem Job gerade festhalten musst, trotzdem kannst du anfangen, dich umzuschauen. Trotzdem kannst du anfangen, dass deine Unterlagen so bereit sind, dass wenn morgen das Tolle kommt, dann bist du bereit

Draga Und dein, dein: Mindset so 'n bisschen dahin Nina: Ja, und du kannst trotzdem dich umgucken. Du könntest theoretisch trotzdem auch Gespräche führen. Du weißt doch gar nicht, was da draußen alles auf dich wartet. Und wenn du emotional und deine Lebensrealität in der Situation sind, dass du dich bewerben kannst, dann machst du das. Und wir müssen natürlich auch ehrlich auf unsere eigene Prägung schauen. Wir, vor allem so späte Gen Xer, frühe Millennials, wir sind ja mit zwei ganz großen Sätzen groß geworden. Der eine: „ Du schaffst das alles. Streng dich nur genug an, dann schaffst du das alles." Und dann dieses gesamte Power through Girl Boss Draga: Oh ja. Nina: Also da war ich ja auch ganz groß drin. Draga: Ich hab noch einen „Ein Job ist kein Wunschkonzert." Nina: Ich glaub, der ist mir früher auch schon, über die Lippen gekommen. Draga: Ja. Nina: und dann, sei froh, dass du überhaupt was hast. Stell dich nicht so an Draga: Stell dich nicht so an.

Nina Und dieser Satz sitzt bei, glaub ich, ganz vielen von uns noch richtig tief drin. Und der sorgt speziell in unserer: Generation dafür, dass wir aushalten, was wir eigentlich schon längst hätten ablegen sollen und was uns einfach nicht mehr guttut. Und uns dann dafür noch schuldig fühlen, wenn wir mehr wollen, mehr von unserem Job und mehr in unserer Karriere wollen Draga: Und heute wollen wir diesen Satz mal freundlich, aber bestimmt zur Seite legen oder unter so'n Kissen: Ein Job darf zu dir passen. Und das ist kein Luxuswunsch, das ist einfach wirklich gesund. Das tut dir gut. Nina: Und jetzt kommt der Teil, der uns wirklich hoffnungsvoll macht. Denn viele denken: Ja klar, schön und gut, was ihr da redet, aber die Realität da draußen ist doch hart. Und ja, war sie lange, aber es haben sich auch Dinge gedreht Draga: Inwiefern?

Nina Rein faktisch betrachtet, Deutschland hat einen echten Fachkräftemänge-mangel. Gut, das wissen wir alle. Überall fehlen Leute, trotz der wirtschaftlichen Situation. Und Institute wie ifo oder das, ähm, DIW zeigen auch ganz deutlich Es gibt nach wie: vor extrem großes, ungenutztes Potenzial aufm Arbeitsmarkt und das sind Frauen und ältere Erwerbstätige Draga: Also nicht: Wir sind zu viel, sondern: Wir werden gebraucht tatsächlich. Nina: Und dann können wir auch mal die Demografie für uns nutzen. Diese geburtenstarken Jahrgänge, die gehen jetzt in Rente. Und es rücken, wie wir auch alle wissen, immer weniger Junge nach. Unternehmen, die vor zehn Jahren noch die Nase gerümpft hätten bei 'ner Bewerberin Ende 40, die können sich das heute auch einfach nicht mehr leisten Draga: Und es kommt auch noch hinzu, dass seit Corona sich die Arbeitswelt zum Glück richtig verändert hat. Grade so dieses Thema, sehr viel mehr Möglichkeiten, im Homeoffice zu arbeiten, also einfach flexibler. Und das ist der Punkt, an dem sich Recherche wirklich auszahlt. Wer 'n bisschen sucht, findet heute viel bessere Modelle als noch vor 'n paar Jahren.

Es gibt dieses Jobsharing, da wird eine Position ganz bewusst auf zwei Personen aufgeteilt. Es gibt Teilzeit, wie ich: gesagt hab, im Homeoffice, Viertage-Modelle, Vertrauensarbeitszeiten. Also nicht mehr nur dieses ganz oder gar nicht, sondern dazwischen ist plötzlich ganz viel möglich geworden. Nina: Und es gibt inzwischen sogar einige wirklich gute Plattformen und Unternehmen, die in den letzten Jahren entstanden sind, deren reiner Fokus es ist, das sind frauengeführte Unternehmen, Frauen und Mütter mit Arbeitgebern zusammenzubringen. Also Arbeitgeber, die dem Ganzen positiv gegenüberstehen, die bewusst Frauen einstellen wollen und die bewusst familienfreundlich sind. Und so was gab es vor 10, 15 Jahren einfach noch nicht Draga: Und das heißt, die Suche lohnt sich doppelt. Man muss einfach nur wissen, dass es diese Wege gibt und gezielt danach suchen, anstatt immer nur die, so diese klassischen Portale abzuklappern und dort seinen Lebenslauf hochzuladen.

Nina Und das bedeutet nicht, dass es alles ganz einfach ist und man von heute auf morgen diesen Traumjob hat. Aber es gibt das Ganze und man kann es versuchen, für sich zu nutzen. Und: der Arbeitsmarkt von heute ist natürlich nicht mehr der von früher, aber auch nicht mehr der, den wir vor 20 Jahren kennengelernt haben. Nur manchmal in unseren Köpfen läuft noch dieses alte Programm von vor 15 Jahren. Draga: Also was heißt das konkret? Weil Mut machen alleine reicht hier nicht. Also nur darüber sprechen und ja, chaka, komm, ge-geh los. Wir wollen, dass sich für dich etwas bewegt. Nina: Ja, also erstens: Wenn du auf der Suche bist oder dich einfach umorientieren möchtest oder vielleicht auch einfach gucken willst, was ist da draußen, bewirb dich einfach, auch wenn du nicht alles kannst. 60, 70 % reichen. Behandle die Anzeige wie 'ne Wunschliste und nicht wie 'n Gesetz. Draga: Zweitens: Hör auf, dein Alter wegzumogeln. Benenne, was daraus folgt. Nicht: „Ich bin schon 48", sondern: „Ich habe 20 Jahre Erfahrung darin, genau solche Situationen zu lösen." Nina: Drittens, Lieblingspunkt: Setz dich einmal hin und schreib deine Stärken auf.

Draga Ah, das ist: schön. Nina: Nicht die Software und irgendwie ich kann Lexware oder SAP, sondern Draga: Office. Nina: oh Gott, wie du mit schwierigen Menschen umgehst, wie du unter Druck ruhig bleibst, was Kolleginnen dir schon gesagt haben, wie Menschen dir vertrauen. Und die meisten Frauen unterschätzen diese Liste massiv. Und wenn's dir schwerfällt, denk einfach zurück an ganz viele besonders gute oder besonders schwierige Berufssituationen, die du schon hattest Draga: Mhm Nina: und wie du mit denen umgegangen bist. Und meistens ergeben sich daraus tolle Sachen und am Ende liest du diese Liste und bist dann selber überrascht von dir selbst. Draga: Das's 'n guter Punkt. Viertens: Frag dich ehrlich, ob dein jetziger Job wirklich zu dir passt. Zu deinen Werten heute, nicht zu denen vor, vor 10, 15 Jahren.

Und wenn's nicht mehr passt, das liegt nicht an dir. Es heißt nur, dass etwas anderes besser passen: würde. Nina: Und recherchier neue Modelle. Jobsharing, Teilzeit mit Homeoffice, familienfreundliche Arbeitgeber, die passenden Plattformen, Vollzeit mit 'nem hohen Homeoffice-Anteil oder Flexibilität. Frag in deinem Netzwerk herum. Die besten Chancen entstehen selten, muss ich sagen, über ein Portal, sondern oft über dieses Networking oder einfach mal 'n Satz bei 'nem Kaffee, dass du Interesse hast, dass du dich umorientierst. Und oft ergeben sich Sachen oder Connections, von denen du gar nicht ausgegangen bist, dass sie da sind Draga: Wir Frauen müssen generell mehr sprechen, mehr kommunizieren. Nina: über das, was wir wollen, was wir uns wünschen, wo's hingehen soll und nicht über die Mutter da drüben. Draga: Richtig, Und wenn dir das alles zu groß ist, wenn du jetzt total überfordert bist oder überwältigt, dann fang einfach klein an.

Du musst morgen nicht kündigen, um Gottes willen. Du kannst eine einzige Bewerbung abschicken, ein Gespräch führen, eine Stärke aufschreiben. Der erste kleine Schritt, wie bei: allen anderen Dingen, zählt mehr als der perfekte Plan. Was nehmen wir mit? Der Satz: „Ich bin zu alt dafür", ist kein Fakt, sondern eine alte Gewohnheit, die wir uns antrainiert haben. Und die Forschung, die Zahlen, sogar die Demografie sagen dir das Gegenteil. Du bist nicht am Ende von irgendwas. Du bist momentan auf dem Höhepunkt von genau dem, was zählt Nina: Und wie immer von Herzen: Sortier dich bitte nicht selbst aus. Lass wenigstens die anderen die Chance haben, Nein zu sagen. Meistens sagen sie nämlich Ja. Und wenn du dich nicht bewirbst, hast du selber schon zu denen Nein gesagt. Deine Erfahrung ist keine Last, für die du dich vielleicht noch entschuldigen musst. Es ist 'ne Superkraft. Und wenn du grade 'ne Pause brauchst, dann ist das auch vollkommen in Ordnung. Dann nimm das an.

Draga Und wie wir's immer sagen, das war heute erst ein erster Blickwinkel. Das Thema ist riesig. Wechseljahre und Arbeit, Wiedereinstieg, Gehalt, neue Arbeitsmodelle. Dazu machen wir gerade eine ganze: Reihe auf Instagram. Folg uns da unbedingt, dann verpasst du nichts Nina: Und wie immer jetzt du. Wo beziehungsweise was ist die eine Stärke, die dir dein Berufsleben geschenkt hat über die Jahre und von der du eigentlich weißt, dass du sie viel zu selten wirklich anerkennst? Oder gibt es 'ne Bewerbung, einen Schritt, den du dir bisher nicht zugetraut hast? Schreib es uns, wir lesen jede Nachricht und vielleicht ist genau diese Folge ein kleines Zeichen für dich. Draga: Wir sind hier und wir glauben an dich. Und diesen Dienstag wartet wieder eine neue Folge auf dich. Nina: Bis dahin mach dir 'ne tolle Woche, Freundin. Und trau dich, es ist nicht zu spät. Es geht grade erst richtig los Danke, dass du heute wieder dabei warst Draga: Wenn dir die Folge gefallen hat, abonnier Hey Freundin, damit du keine Episode verpasst Nina: Und erzähl auch deiner besten Freundin davon, denn sharing is caring. Draga: Bis zur nächsten Folge. Hey Freundin

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