19. Alltagswut im Midlife: Kein Makel, sondern ein Wegweiser
Shownotes
Alltagswut im Midlife: Kein Makel, sondern ein Wegweiser
Zwei Socken neben dem Wäschekorb, eine Ampel, die nicht grün wird, und plötzlich sind wir laut. Danach kommt das schlechte Gewissen: Was ist bloß los mit mir? In dieser Folge schauen wir hin, statt uns zusammenzureißen.
Darüber sprechen wir:
Das Bild von der wütenden Frau: Warum Mädchen früh lernen, Wut nicht zu zeigen, und wo sie dann stattdessen rauskommt: als Tränen, als Rückzug, als Ausbruch wegen Socken. Hormone oder Gefühl, oder beides? Wie Östrogen, Schlafmangel und die Sandwich-Phase die Zündschnur kürzer machen. Und warum „Das sind bestimmt die Wechseljahre“ trotzdem keine Ausrede sein darf, nicht hinzuhören. Warum wir Wut schlucken: Was geschluckte Wut mit dem Körper macht und warum aus ihr irgendwann Groll wird. Wut als Wegweiser: Wut zeigt auf eine überschrittene Grenze oder auf etwas, das sich ungerecht anfühlt. Sie verrät, was uns wichtig ist. Wut konstruktiv nutzen: Innehalten, benennen, die eigentliche Baustelle angehen. Dazu der Satz „Ich bin wütend, weil … und ich brauche …“ und wie man reparieren kann, wenn es vor den Kindern rausgerutscht ist.
Kapitel
- 00:00 Cold Open
- 00:00 Intro
- 00:00 Das Bild von der wütenden Frau
- 00:00 Hormone oder Gefühl, oder beides?
- 00:00 Warum wir Wut schlucken
- 00:00 Wut als Wegweiser
- 00:00 Wut konstruktiv nutzen
- 00:00 Outro: Deine Wut darf sein
Welche Wut wir meinen Gerade wird endlich vermehrt über die Wut von Frauen gesprochen: die Wut auf sexuelle Belästigung, auf Machtmissbrauch, auf Strukturen, die Frauen klein halten. Diese Wut ist so berechtigt und so extrem wichtig, und sie verdient viele eigene, ernsthafte Gespräche. Heute geht es um eine andere, leisere Wut im Midlife: die im Alltag. Die beim Wäschekorb hochkommt, an der Ampel oder wenn wir schon wieder Ja gesagt haben, obwohl wir Nein meinten.
Wichtig: Wir sind keine Ärztinnen und keine Psychologinnen, sondern zwei Freundinnen mit einem ehrlichen, persönlichen Blick auf das Thema. Wenn deine Wut neu ist, sehr heftig wird, ständig kommt oder sich nicht mehr wie du anfühlt, sprich bitte mit deiner Frauenärztin oder Hausärztin.
Quellen & Weiterlesen
Brescoll, V. L. & Uhlmann, E. L. (2008): „Can an angry woman get ahead? Status conferral, gender, and expression of emotion in the workplace“, Psychological Science, 19(3) utopia.de: „Wut am Arbeitsplatz: Frauen müssen vorsichtig sein, ob und wie sie Wut ausdrücken“ (mit Arbeitspsychologin Laura von Gilsa) wechselweise.net: „Reizbar und zornig: Warum bin ich in den Wechseljahren so wütend?“
Und jetzt du: Wo hast du deine Wut zuletzt runtergeschluckt, obwohl sie eigentlich raus wollte? Schreib uns auf Instagram @heyfreundin.podcast oder an podcast@heyfreundin.de. Wir lesen jede Nachricht.
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Transkript anzeigen
Draga: Letzte Woche hab ich meine Jungs angebrüllt wegen ihren Socken. Wegen zwei Socken, die neben dem Wäschekorb lagen. Nicht mal irgendwo, sondern direkt daneben Nina: Hey, Klassiker. Draga: Und ich meine nicht genervt gesagt. Ich meine, ich war richtig laut. Die haben mich angeguckt, als wär ich so 'n gestörter Vulkan und danach stand ich da mit rotem Kopf und dachte: „Wer war das denn gerade? Was ist denn los?" Nina: Ja klar, Ich kenn das das kennen wir wahrscheinlich alle. Meine Tochter zum dritten Mal die Augen verdreht, als wär sie irgendwie 16, nachdem ich was gesagt habe und dass sie sich wundert, wie ich's überhaupt irgendwie jahrelang durchs Leben geschafft habe. Und da hatt ich echt das Gefühl, also innerlich, ich raste gleich aus und ich raste vollkommen unverhältnismäßig aus.
Was zum Glück denn nicht passiert, aber diese Wut in mir. Und hey, Freundin, wegen 'nem Augenrollen. Okay, es war das dritte Augenrollen. Es war nicht irgendein Augenrollen, aber bei mir sind's dann eher: oft auch dann die kleinen Momente, die mich echt irgendwie so triggern. Oder wenn jemand, wenn jemand dann noch kommt so: „Und wer kümmert sich dein Kind, wenn du arbeitest?" Das ist auch so 'n Moment, da könnte ich vollkommen unverhältnismäßig ausflippen und der Person irgendwie sonst wie entgegenspringen, Weil ich mein, wer wer stellt denn so Fragen? Draga: Vor allen Dingen einem Mann würde man so 'ne Frage ja nie stellen. Nina: Komplett. Und klar, da denk ich dann nur so: Echt jetzt? 2026 werden so Fragen gestellt? Und bei so was zum Beispiel kann ich richtig sauer werden Draga: deine Schwiegermutter. Darf ich das sagen? Nina: bei dir auch. Kein Kommentar. Sagen wir so: Auch Da gibt es Momente, in denen ich innerlich sehr langsam bis zehn zähle. Draga: Und danach kommt auch bei uns beiden dasselbe: Dieses schlechte Gewissen,
diese Stimme im Kopf, die sagt „Was ist bloß los mit: dir, du Psycho? Reiß dich doch zusammen.“ Nina: vor allem dieses „reiß dich doch zusammen". Warum kannst du nicht da drüberstehen? Warum? Warum? Warum? Draga: Ja. Nina: Und heute reden wir genau dadrüber. Über diese innerliche Wut. Diese Wut, die für uns gefühlt aus dem Nichts zu kommen scheint und die wir sofort dann als Fehler an uns selbst abstempeln. Draga: Dabei ist sie vielleicht gar kein Fehler, sondern eine Nachricht. Nur eine, die wir nie gelernt haben zu lesen. Hey Freundin, willkommen bei „Hey Freundin, kannst du reden?" Wir sind Nina und Draga, zwei Freundinnen Mitte 40 aus Stuttgart. Das hier ist der Podcast für Frauen im Midlife. Nina: Für alle, die mitten im Leben stehen. Job, Familie, Beziehung, sich selbst, Hormone und ehrlich darüber reden wollen, was grade wirklich bei uns allen los ist. Draga: Hier reden wir ehrlich, mit Studien, mit echten Geschichten und immer mit dem Gefühl: Du bist nicht allein. Ich bin Draga.
Nina Und ich bin Nina und heute geht es um ein Gefühl, über das kaum jemand irgendwie laut spricht Wut. Unsere Wut.: Woher sie kommt, Warum wir sie so oft runterschlucken und was passiert, wenn wir endlich hinhören, statt zu versuchen, sie wegzudrücken. Draga: Und ganz wichtig vorweg: Wir sind keine Ärztinnen, keine Psychologinnen. Das ist unser erster ganz persönlicher Blick auf das Thema. Nina: Und weil uns das Thema so wichtig ist, ändern wir zukünftig auch eine Kleinigkeit an dem Podcast. Eine Kleinigkeit, aber dazu später mehr Draga: Fangen wir mal an, das Bild von der wütenden Frau. Sag mal ehrlich, wann hast du das letzte Mal eine Frau gesehen, die richtig offen wütend war und dabei nicht als hysterisch, zickig oder anstrengend beschrieben wurde? Nina: Also wütende Frauen fallen mir schnell ein, wenn ich so einfach an mich selber denke. Ähm, aber die dann dabei nicht als hysterisch, zickig oder anstrengend beschrieben worden ist. Weniger. Draga: Mhm. Nina: ich war schon in so vielen Situationen, du sicher auch beruflich, wo das anschließend die Kommentare waren. Draga: Ja, ja klar. Und das ist kein Gefühl, das ist inzwischen sogar untersucht.
Es gibt eine Studie dazu Wenn Männer im Job: Ärger zeigen, wird ihnen dafür sogar oft mehr Status zugeschrieben. Bei Frauen ist es genau umgekehrt. Ihnen wird Status abgesprochen. Sie gelten als jemand, der sich nicht im Griff hat. Nina: Man weiß das. Ich mein, wir alle haben das schon gehört. Draga: Ja, mhm. Nina: Aber jedes Mal, wenn man es hört, es ist wieder unfassbar. Draga: Ich bin fassungslos jedes Mal, ja. Nina: Und das Verrückte dabei ist ja, biologisch fühlen Mädchen und Jungen, wenn sie klein sind, Wut fast gleich, vollkommen gleich. Gleicher Puls, gleiches Gefühl im Körper, gleiche Hormone, Körpergefühl. Nur zeigen Mädchen sie schon früh seltener. Und das ist nicht angeboren, das bringen wir ihnen bei. Draga: Ja klar. Wir sagen: „Sei lieb, sei nett, mach keinen Ärger, sei nicht zu laut." Das haben, glaub ich, wir beide auch tausendmal gehört, als wir klein waren. Nina: Und irgendwann verlernt man dann nicht wütend zu sein. Man verlernt nur, diese Wut zu zeigen. Die
Wut ist ja trotzdem da, sie hat nur: keinen Ausgang mehr. Während man natürlich auch von Jungs andere Sachen sagt. Denen Sagt man dann vielleicht so „Wein nicht Draga: Ja, ja Nina: dich mal zusammen." Diese Dinge, so sagt man doch oft und ich hör's auch nach wie vor, wenn 'n Junge irgendwie 'n Wutanfall hat: „Ja, das ist halt 'n Junge." Draga: Ja, ja genau. Nina: Ganz normal, ist halt 'n Junge. Während das Mädchen, hab ich auch schon Mütter hören sagen, die dann sagen: „Nee, die ist halt hysterisch." Draga: Ja, mhm. Und dann kommt aber die Wut eben woanders raus als Tränen, obwohl du eigentlich sauer bist. Und das ist ja, ne, wie der Körper dann so reagiert. Du willst eigentlich irgendwie wütend schreien und irgendwas, sorry, kaputtschlagen, aber nee, es kommen Tränen. Als Rückzug, als dieser plötzliche Ausbruch wegen zwei Socken im falschen Korb oder neben dem Wäschekorb. Und nicht, weil die Socken das Problem sind, sondern weil sich da über Wochen in mir drin was oder in uns drin was aufgestaut hat, für das es vorher einfach so keinen Platz gab. Und hast du mal drauf geachtet, welche Wörter es eigentlich für wütende Frauen gibt?
Du: hast ja vorhin schon gesagt, ich auch: Zicke, Furie, Hysterie. Also Hysterie, hysterisch, aber so diese Hysterie war ja immer so 'n großes Thema. Und mein persönlicher Favorit, ich finde diesen Begriff so, so mies: Drama Queen. Nina: Oh ja, die Drama Queen. Und das kennen wir ja alle. Und dieses Fiese an dem Wort ist auch noch, dass man es so ver-versucht hat und so rüberbringt, als wär's verpackt. Also es klingt ja fast lustig. Noch so, das kannst, brauchst du jetzt ja auch nicht wieder so ernst nehmen, dass ich Drama Queen zu dir gesagt habe. Aber was da eigentlich gesagt wird, ist: Dein Gefühl ist übertrieben und nimm dich und dein Gefühl hier mal nicht so wichtig. Draga: Gibt es dieses Wort eigentlich auch für Männer? So 'n Drama King? Hab ich jedenfalls noch nie irgendjemanden sagen hören.
Nina Eben. Und genau solche Worte sorgen ja dann dafür, dass wir schon zwei oder dreimal überlegen, ob wir überhaupt was sagen. Nicht, weil wir keinen Grund hätten, was zu sagen, sondern weil wir dieses Etikett bekommen und dieses: Etikett schon kennen. Draga: „Jetzt stell dich nicht so an. Du bist aber empfindlich heute." Schon ein klares „Das find ich nicht okay" reicht manchmal, um als schwierig zu gelten. Das Spannende ist ja, gerade in unserem Alter verändert sich das oft. Ganz viele Frauen erzählen, dass sie mit Mitte 40 plötzlich weniger Geduld haben für Dinge, die sie früher einfach hingenommen haben Nina: Äh, komplett. Das Witzige ist, ich möchte jetzt Eigentlich sagen, 20 Jahre lang hab ich gelächelt, genickt und alles mitgemacht, viele Dinge, die ich heute nicht mehr belächele, nicht mehr ruhig bei denen bin und viel eher meine Meinung sage, während ich davon überzeugt bin, dass viele Leute, die mich kennen von irgendwo, als ich Mitte 20 war oder Anfang 30, sagen würden: „Nein, du hast doch schon immer deine Meinung gesagt." was ich meine? Draga: wie viel Meinung da noch dahinter Nina: ich hab ich immer das Gefühl ich hab meine Meinung mehr gesagt als viele um mich herum Und meistens hat das in Problemen für mich geendet. Draga: Mhm.
Nina Aber ich hab immer noch 80 % Meinung: zurückgehalten. So schlimm. Also das erlebt man ja immer wieder dann hat man, glaub ich, auch das Gefühl in unserem Alter, dass dein innerer Vorrat, Geduld mit diesen Situationen zu haben und deine Wut weiterhin runterzuschlucken, vollkommen aufgebraucht ist. Draga: Und das ist ja auch gar nicht nur schlecht. Vielleicht ist das die Phase, in der wir zum ersten Mal wirklich merken, was uns eigentlich schon lange stört. Nina: Ja, aber wir hatten's vorhin schon, was dann auffällt: Nach dieser Wut kommt bei uns allen fast immer das schlechte Gewissen und das ist Scham. Draga: Mhm. Nina: Kaum ist diese Wut raus, dann schämen wir uns dafür. Schämen als erwachsene Frauen. Und als wäre nicht das, was passiert ist, das Problem, sondern jetzt ist das Problem, wie wir reagiert haben. Draga: Und die Scham ist eigentlich das, was uns so lange angepasst gehalten hat. Nicht die, die Wut, äh, an sich, sondern die Angst danach, als die Schwierige dazustehen, die Empfindliche.
Nina Gott, ja. Ich, wir kennen: das, glaub ich, so. Und vielleicht ist genau das ja auch irgendwo die Freiheit, Die uns in diesem Alter erwartet, dass diese Scham sukzessive ein kleines Stück leiser wird. Und dass man irgendwann denkt und das auch einfach annimmt: Ich habe so lange versucht, allen zu gefallen. Ich darf jetzt auch mal unbequem sein und ich darf auch mal meine Gefühle fühlen. Draga: Richtig. Und jetzt kommt der Teil, der bei uns im Freundeskreis ständig so Thema ist, ähm, weil wir fragen uns ja auch immer: Ist das gerade meine Psyche, mein psychischer Zustand oder sind es einfach die Hormone, die verrückt spielen? Nina: Mhm. Und es kann ja, wie so oft im Leben, Beides stimmen, was für uns Menschen, glaub ich, generell einfach immer schwer ist anzunehmen, dass zwei Dinge gleichzeitig wahr sein können und nebeneinander irgendwo emotional existieren. Und das macht es natürlich auch so kompliziert. Vor allem jetzt in der Perimenopause, also in den Jahren vor unserer letzten Periode, schwanken
Östrogen, Progesteron total: und Östrogen wirkt im Gehirn direkt auf Botenstoffe wie Serotonin, die unsere Stimmung und unsere Impulskontrolle regeln. Ja, Impulskontrolle. Draga: da an meinen armen Mann. Das heißt, wenn der Spiegel runtergeht, wird das System instabiler, das uns sonst hilft, einfach ruhiger zu bleiben und einfach bei uns zu bleiben. Nina: Und dazu kommt, sehr viele Frauen schlafen in der Phase auch einfach viel schlechter. Wir kennen das ja Draga: auch. Ja. Nina: Dazu kommen dann noch irgendwie Hitzewallungen, nächtliches Schwitzen. Ich mein, selbst wenn du die Hitzewallungen und Schwitzen nicht hast, schläfst du irgendwie wesentlich schlechter. Und nach 'n paar schlechten Nächten, die reichen ja nachweislich, um deine eigene Reizbarkeit spürbar hochzuschrauben. Draga: Das erklärt ja auch schon einiges und ich finde, das muss man wirklich ernst nehmen.
Hormone können einen richtig starken Einfluss darauf haben, wie wir uns fühlen. Die können eine Wut auslösen, die vorher so gar nicht da war. Oder eine Wut, die schon lange in uns: schlummerte und auf einmal so explosiv rausfährt, dass man sich selber irgendwie gar nicht mehr wiedererkennt. Nina: Ja, und die war ja da. Ja, ja klar. Und das ist real. Nicht eingebildet, nicht übertrieben Und nichts, wofür man sich in irgendeiner Form schämen muss. Gleichzeitig sind die Hormone eben ein Baustein unter mehreren. Sie können die Lunte praktisch kürzer machen. So nennt man das doch bei- Draga: ja, ja, ja. Ich find das so witzig, ja ... Nina: aber oft liegt da dann trotzdem ja auch noch echter Sprengstoff drunter. Irgendwas, das das Ganze irgendwie gestartet hat. Erschöpfung, Ungerechtigkeit in irgendeiner Form, ob das emotional ist, in Beziehungen, im Job. Eine Grenze, eine persönliche Grenze, die schon zu oft überschritten wurde. Draga: Und deshalb lohnt es sich, beides anzuschauen. Einmal den Körper und das, was die Wut uns inhaltlich sagen will.
Wenn wir alles nur mit „Das sind halt die Wechseljahre" abhaken,: verpassen wir vielleicht die Nachricht dahinter. Die Frage ist also nicht nur: Warum ist meine Zündschnur gerade kürzer? Nina: Hey, du hast meinen hier voll Draga: die Lunte, sondern auch: Wofür liegt da überhaupt Zündstoff? Also was, was brodelt denn da? Nina: Ja. Und da gibt es ja in unserer Lebensphase genug Themen Draga: Es ist nie langweilig. Ja, Nina: das brodeln könnte. Kinder, die in irgendeiner Phase sind. Es ist ja immer irgendwie 'ne neue. Eltern, die älter werden und plötzlich mehr Hilfe oder Support brauchen und wir uns mehr Gedanken machen. Der Job, in dem man seit Jahren Vollgas gibt oder der Job, der einem einfach die Energie raubt. Themen in persönlichen Beziehungen und nebenbei, wie wir's immer sagen, der ganze Mental Load, den einfach niemand sieht, aber wir in uns vorantragen. Draga: Das ist die berühmte, ich hab das irgendwann mal gelesen, den Begriff Sandwich-Phase. Du wirst praktisch von oben und von unten gleichzeitig gebraucht und für dich selbst bleibt am Ende des Tages gar nichts.
Nina Ja,: und wenn dann noch Schlafmangel und Hormonchaos dazukommen, ist es eigentlich 'n Wunder, dass wir nicht öfter explodieren. Draga: Total oder irgendwas, äh, kaputt machen. Und ein ganz praktischer Tipp an dieser Stelle, weil uns das wirklich wichtig ist: Wenn du merkst, deine Wut ist neu und richtig heftig, sie kommt ständig und fühlt sich nicht mehr wie du an, dann sprich doch mal mit deiner Gynäkologin oder mit deinem Hausarzt darüber. Nicht, um dir die Wut wegdiagnostizieren zu lassen, sondern damit du weißt, was da gerade in deinem Körper los ist und was dir vielleicht helfen könnte. Nina: Ja, denn das eine schließt ja das andere nicht aus: Den Körper ernst Nehmen und trotzdem hinhören, was die Wut inhaltlich sagt und wo sie herkommt. Und genau da sind wir ja oft richtig gut drin. Dieses Runterschlucken, Lächeln, es klein machen, es kleinreden und dann versuchen weiterzumachen.
Draga Total. Ich hab mal richtig erschrocken gemerkt, wie oft ich in einem Streit als Erstes Entschuldigung sage,: obwohl ich eigentlich die bin, die gerade zu Recht sauer war. Also gar nicht jetzt in der Partnerschaft, so, so generell einfach in so, Konfliktsituationen im zwischenmenschlichen Bereich. Nina: wie oft dieses Wort Entschuldigung dann aus dem Mund kommt. Und dahinter steckt ja meistens 'n ziemlich klarer Mechanismus. Wenn 'ne Frau wütend wird, wird ihr schnell unterstellt, sie sei einfach so ein Typ X. Sie ist, die ist halt so und so. vor allem im Berufsumfeld hab ich das schon so oft erlebt. Draga: Ja genau, die ist eher so aufbrausend. Das ist halt so'n aufbrausender Typ, die Frau. Ja, Nina: die ist halt so emotional. Draga: ah ja, emotional, mhm. Nina: Während bei 'nem wütenden Mann, der plötzlich irgendwie wütend wird, eher gefragt wird: „Boah, der, der hat halt einfach 'n schlechten Tag." Oder: „Hey, was ist 'n bei dem passiert?" Oder: „Vielleicht hat er Stress mit seiner Frau." Draga: Ja, die gleiche Wut, zwei völlig unterschiedliche Geschichten. Bei ihm ein Grund von außen und bei uns ein Charakterfehler. Nina: Und wenn man das ständig So vorgespiegelt bekommt und so gespiegelt bekommt, ob
Das sehr: aktiv ist oder irgendwo unbewusst. Lernt man ja irgendwann, Wut zu zeigen als Frau kostet mich etwas. Also versuchst du es zu kalkulieren oder erst gar nicht zu zeigen. Draga: Nur verschwindet sie ja davon nicht. Sie verschiebt sich nur nach innen und da wird sie richtig gefährlich, nämlich für, für einen selbst Nina: Ja. unterdrückte Wut Macht dich nicht ruhiger. Und viele Fachleute sagen, sie macht auf Dauer erschöpft, weil du permanent Energie verbrauchst, um etwas runterzudrücken, was ja eigentlich raus will und raus muss. Draga: Ja klar und wir können, kennen das ja, der Körper merkt sich das ja. die verspannten Schultern, dieses Kieferzusammengebissen, nachts mit den Zähnen knirschen. Das ist ja- Nina: Du sprichst von uns Draga: beiden. Ja, ich hab ja auch so 'ne, so 'ne Knirschschiene und kaum jemand bringt das mit Wut in Verbindung.
Nina Ja, Wut, die nicht raus darf, sucht einen anderen Weg. Und oft ist das dann eben unser eigener Körper: Draga: Und dann kommt der nächste Trick, den ich selber auch total gut kenne: Statt Wut zu zeigen, weinen wir. Weil Tränen irgendwie als erlaubter gelten, als ein lautes: „Das reicht mir jetzt. Ich hab jetzt die Schnauze voll." Nina: Und wir merken das oft ja selbst noch nicht mal. Man denkt, Draga: man Nina: ist einfach schnell den Tränen nah. Dabei in manchen Fällen ist es irgendwo ein Wütendsein, ohne sich die Erlaubnis dafür zu geben. Draga: Ja. Ich kannte das früher in, im Berufsleben, wo ich einfach übergangen wurde. Bei dem, letzten Job, bevor ich dann Kinder bekommen hab, wie auch immer, gab es eine Möglichkeit, in dem Personaldienstleister, bei dem ich gearbeitet habe, viele Jahre, dort eine Führungsposition zu bekommen und ich wurde, mir wurde das zugesagt und ich wurde aber dann einfach übergangen. Nina: Ja, und dann-
Draga Und ich hätte am liebsten, keine Ahnung, so ganz, ja, so, irgendwie diesen kleinen Couchtisch da umgeschmissen oder hätte den gerne gepackt, weil er ist nicht so schwer, gegen die Wand geschmissen, weil: ich so wütend war, weil ich das so ungerecht fand. Ich bin rausgegangen, ganz still und hab geweint in der Toilette. Das weiß Nina: ich noch. Draga: Das werd ich nicht vergessen. Und ich hätte sie am liebsten alle dort zusammengeschrien, die dort standen und mir Hoffnungen gemacht haben. Und, wenn du das und das, wenn du das und das erarbeitet hast, dann, dann, also diese Lockmittel, da war ich richtig, richtig sauer. Nina: Ja, und man sagt ja immer: „Okay, Tränen sind gut und es muss raus." Aber es gibt, ja natürlich, Aber es gibt natürlich viele Situationen, wo's dann trotzdem ist: du musst die Wut rauslassen. Weil es gibt Dinge, die müssen gehört werden. Es gibt Dinge, die müssen gesagt werden. Und die stehen dir zu, dass jemand sich sie anhört- und dass jemand sie ernst nimmt und es steht dir zu, sie zu äußern. Draga: Ich find auch diese Kombi immer ganz gut: Weine doch und schrei dabei. Nee, tatsächlich. Und werf-- Oh wow, das Trio. Ja, tatsächlich. Ähm- Nina: Natürlich. Und,
Das Paradoxe ist, wir schlucken ja unsere: Wut oft runter, um die Beziehung zu schützen. Das hast du wahrscheinlich in dem Fall auch gemacht. Um diese Beziehung mit deinem Arbeitgeber nichtsdestotrotz zu schützen, um den Frieden zu halten. Aber auf Dauer passiert ja genau das Gegenteil. Aus geschluckter Wut wird Groll. Und dieser Groll, ob das beruflich ist oder privat, ist viel giftiger für jegliche Form von Beziehung als ein ehrlicher Streit. ich kenn dich, ich kenn sehr gut dieses damalige berufliche Umfeld. Es hat ja genau das bewirkt. Draga: Total. Nina: Das Draga: stimmt so sehr. Und ein ehrliches und das hab ich auch in meiner Ehe, ein ehrliches „das ärgert mich" ist in fünf Minuten geklärt. Ich, ne, diesen Groll, den du dann hast, den schleppst du da jahrelang mit dir rum Nina: Und du tust dir ja damit Draga: Ja, natürlich. Nina: Nur dir damit. weh Und bestrafst dich selbst. Draga: Total. Und jetzt der Perspektivwechsel, um den es uns heute eigentlich geht: Was, wenn Wut gar kein Makel ist, sondern ein Signal?
Nina So wichtig, denn Wut: entsteht fast immer aus einem von zwei Gründen: Eine Grenze, deine persönliche Grenze kann das sein, wurde überschritten oder etwas fühlt sich sehr ungerecht an. Und sie ist im Kern wie 'ne Alarmanlage. Nicht mehr, aber auch nicht Draga: weniger. Also nicht mit mir stimmt was nicht, nicht so das grundsätzliche Infragestellen, sondern mit der Situation stimmt irgendwas nicht. Nina: Und wenn man anfängt, so da drauf zu schauen, verändert sich eigentlich alles. Die Wut auf den Partner, der schon wieder nicht gefragt hat, wie dein Tag Draga: war. Nina: Das ist kein Charakterfehler von dir. Das ist ein Hinweis, dass dir Gesehenwerden fehlt, als Beispiel. Draga: Die Wut im Job, wenn deine Idee ignoriert und dann fünf Minuten später von einem Kollegen wiederholt und bejubelt wird. Auch kein Ausrasten, sondern ein völlig berechtigtes Signal: Hier respektiert mich gerade jemand nicht. Nina: Und deine Wut der Socken? Draga: Ach, diese Socken Nina: die war ja auch nie wirklich wegen der Socken,
Draga Und auch nicht wegen meinen: Kindern. Nina: Natürlich nicht. Und deswegen brauchen wir trotzdem kein schlechtes Gewissen haben, sondern es hinnehmen für das, was es war. Es war ein Symptom davon: Ich kümmer mich um so viel, ich mach hier so viel unsichtbare Arbeit. Und dass ich das alles tue und es mir Arbeit und Last bringt, wird grade nicht gesehen. Draga: Und wenn man das so hört, klingt Wut auf einmal fast wie eine Freundin und gar nicht so irgendwie wie so 'n Problem. Nina: Ja, weil sie kann tatsächlich eine ganz ehrliche Stimme sein, die wir haben. Die Stimme, die zuerst merkt, wenn wir uns selbst zu lange zurückstellen. Draga: Und wichtig: Das heißt nicht, dass die anderen die Bösen sind. Der Partner, die Kinder, die Kollegen. Nein, überhaupt nicht. Es geht um uns. Die wissen oft gar nicht, dass da was schiefläuft, weil wir es ihnen einfach auch nicht gesagt haben. Nina: Genau. Die Wut Zeigt nicht auf einen Schuldigen. Sie zeigt einfach auf eine Stelle, an der etwas nicht passiert ist oder etwas passiert ist, mit dem wir 'n Thema haben.
Und oft ist die Lösung, wie: du's vorhin sagtest, ein Gespräch und kein Kampf. Draga: Und manchmal zeigt sich auch auf uns, zeigt es auch auf uns selbst, auf die Momente, in denen wir wieder mal Ja gesagt haben, obwohl wir Nein meinten. Nina: Oh ja, Draga: Yes. Nina: Und die Wut auf sich selbst, weil man schon wieder den Kuchen – wir kommen immer auf unsere Kuchen zurück – für den Schulbasar zugesagt hat, obwohl die Woche eh schon so voll ist. Da ist niemand anders schuld. Da zeigt einem die Wut nur: Du hast deine eigene Grenze nicht ernst genommen. Draga: Und genau deshalb lohnt es sich, bei jeder Wut kurz zu fragen: Was genau ist hier gerade verletzt worden? War das meine Zeit? War's mein Respekt, mein Gerechtigkeitsgefühl? Die Antwort ist fast immer ein Hinweis darauf, was mir wichtig ist. Nina: Ja, also Wut als Wegweiser.
Sie sagt dir nicht nur, wo's wehtut, sondern auch, wo du damit eigentlich hinwillst. diese gleiche Wut zeigt dir eigentlich auch auf was viel Größeres in unserem Alltag.: Draga: Und Nina: ich merk das zum Beispiel beim Thema Älterwerden. Draga: Oh ja, erzähl mal. Nina: Also so ab 40 jetzt wie hier, wird dir ja von allen Seiten erklärt, was jetzt alles an dir nicht mehr stimmt. Das wird dann versucht, auf Social Media zwar irgendwie auf Draga: so 'ne Nina: nette Art und Weise zu machen, aber trotzdem ist es ja so ab 40 Deine Falten, deine Haut, dein Bauch, deine Hormone und für alles gibt es 'n Serum, 'n Kurs, 'n Pulver, als wärst du plötzlich irgendwie 'n Mangelwesen. Also wir sind jetzt irgendwie Mangelware, weil wir brauchen all diese Dinge, um gut durch die Phase zu kommen und das muss alles dringend repariert werden. Draga: Und da verdient ja auch 'ne ganze Industrie richtig gut daran, dass wir uns so fühlen. Ein zufriedener Mensch, der kauft halt einfach auch gar nichts oder viel weniger.
Nina Und dazu kommt dann dieses Gefühl, wir haben's auch schon hier in dem Podcast angesprochen, nicht mehr ganz so sichtbar zu sein oder unsichtbarer zu werden. Werbung, Film, manchmal im Job und Frauen über 40 kommen dann da oft einfach gar nicht mehr vor, obwohl wir mitten im Leben stehen.: Draga: Und wenn dich das wütend macht, dann ist das nicht eitel und auch nicht übertrieben. Dann ist das eine völlig berechtigte Reaktion darauf, dass man dir einreden will, du wärst weniger wert, nur weil du älter wirst. Nina: Und dieses Gefühl, das dann in dir einfach als Frau, als erwachsene Frau, die im Leben steht, auslöst, das ist berechtigt und okay. Und das ist, find ich, wiederum 'ne Wut, die, die kann dir Kraft geben und dich aber auch empowern. Und die ist okay. Und du kannst dann auch sagen: „Nein, ich lass mir nicht einreden, dass ich Mangel bin und ich kann und darf mich über diese Wut äußern.“ Draga: Ja, und ich finde, an der Stelle muss man auch einmal ehrlich sagen: Manchmal ist die Wut viel größer als der Moment. Du merkst selbst, das hier ist eigentlich 'ne Kleinigkeit und trotzdem haut es dich komplett um und du könntest wirklich so explodieren. Nina: Ja, und dann kann es Draga: sein, Nina: dass die Wut ja gar nicht auf das Jetzt reagiert. Auf irgendwas, das jetzt grade passiert ist, sondern eigentlich auf Draga: was
Nina vollkommen Altes vor Wochen oder Monaten oder noch länger her,: auf Situationen von früher, in denen man sich nicht wehren konnte, in denen man nicht geschützt wurde oder nicht gehört wurde. Und das ist 'ne ganz andere Form und intensiverer Wut. Draga: Und da wollen wir ganz vorsichtig sein, weil wir sind keine Therapeutinnen. Ähm, wenn du das aber bei dir kennst, diese Wut, die sich viel älter anfühlt als die Situation, dann ist das kein Zeichen, dass mit dir was nicht stimmt. Dann ist das vielleicht ein Hinweis, dass da irgendwelche alten Verletzungen sind, die, ja, die wieder einfach Aufmerksamkeit brauchen. Nina: Und dafür darf man und sollte man sich dann auch einfach Unterstützung holen. Wenn du merkst, dass das so eine
Tiefe Wut ist, die da ist, die dich auch einfach beeinträchtigt in deinem Sein. Eine gute Therapeutin, eine Beratungsstell-stelle. Ich find das ganz wichtig bei diesem Thema zu erwähnen Das ist kein Scheitern, das ist ganz wichtige Selbstfürsorge. Und weil das Thema auch Trauma so wichtig ist und so viel Feingefühl braucht und das einfach auch ein Thema ist bei so vielen Frauen,: planen wir dazu übrigens auch eine Folge mit 'ner Traumapsychologin, damit es jemand hier erklärt, der sich damit wirklich auskennt. Draga: Okay, aber was machen wir da jetzt praktisch? Weil einfach nur mehr wütend sein ist ja auch keine Lösung. Nina: Auf keinen Fall. Und es geht ja nicht darum, öfters zu explodieren und mach deiner Wut Luft. Es geht darum, die Wut einfach früher zu bemerken, bevor sie explodiert und sie wahrzunehmen. Draga: Und da muss ich auch noch mal was sagen, was mich auch schon längere Zeit beschäftigt: Wenn du auf Instagram einmal was zu Wut geguckt hast, kriegst du danach nur noch Tipps: „Atme fünfmal tief ein, zähl bis zehn, beruhige dein Nervensystem, Nina: Ja, die Draga: komm zur Ruhe." Ja, und versteh mich nicht falsch, das kann im Moment total helfen, aber ich hab manchmal das Gefühl, da geht es nur darum, die Wut so schnell wie möglich irgendwie wieder runterzukriegen, wieder zu unterdrücken, damit wir bloß wieder weiter funktionieren, damit wir wieder lieb und ruhig und brav sind und einfach weitermachen.
Nina Ja klar, das: ist so, wie wenn in der Küche der Rauchmelder piept und dann drückst, drückst du ihn einfach nur aus, damit er leise Draga: ist. Nina: Aber du schaust nicht nach, ob's brennt oder ob die Batterie irgendwie leer Draga: ist. Genau das. Dann ist das ganze Beruhigen nur eine neue, gesündere Verpackung für das alte: „Jetzt reiß dich zusammen." Nina: Ja, und da ist ja nichts falsch und schlecht mit Breathwork, Atemübungen, mega. Und Ja, durchatmen natürlich. Aber nicht, um die Wut jetzt loszulassen, sondern um kurz Platz zu schaffen, um hinzugucken und zuzuhören. Und das ist der Unterschied. Also kurz innehalten, nicht rein zum Wegatmen und Ignorieren, Draga: sondern Nina: innehalten, durchatmen zum Hinhören. Und eine Frage an dich selbst in
dem Moment ist auch Worüber bin ich grade wirklich wütend? Und meistens ist die erste Antwort nicht die echte. Und auch ich muss mir das wesentlich: öfters sagen. Draga: Ja. Zweitens: Sie benennen, statt sie zu verstecken. Ein ehrliches „Ich bin gerade richtig sauer" ist tausendmal gesünder als ein aufgesetztes Lächeln, hinter dem alles brodelt. Nina: Drittens: Die Ursache angehen anstatt die Symptome. Nicht die Socken oder das Augendrehen, sind das Thema, Sondern versuch die eigentliche Baustelle zu finden und spreche über die. Und wenn das unbequemer ist als ein kurzer Ausbruch, ist das auch okay. Draga: Und dafür gibt's einen ganz einfachen Satz, den man üben kann: „Ich bin wütend, weil ... und ich brauche ...“ Also zum Beispiel: „Ich bin wütend, weil ich wieder allein an alles gedacht habe und ich brauche, dass wir das anders aufteilen.“ So jetzt als Beispiel in 'ner Beziehung. Ich finde auch, das ist so gut, weil der Satz die Wut nicht wegmacht. Er übersetzt sie. Aus einem Vorwurf wird ein Wunsch und mit einem Wunsch kann das Gegenüber was anfangen
Viertens Wut als Antrieb nutzen. Ganz viele wichtige Veränderungen im: Leben, ein Jobwechsel, ein klares Nein, eine neue Grenze, passieren oft erst, wenn man wütend genug ist, um wirklich etwas zu ändern. Nina: Und wir haben es, glaub ich, selber schon ganz oft bemerkt. Dinge, die wir schon viel früher in unserem Leben hätten ändern sollen- -haben wir erst dann geändert, wenn diese Wut ein Level erreicht hat- -wo sie gar nicht mehr zu ertragen war. Und wo auf die Wut gar nichts mehr draufkommen Draga: konnte. Und- Nina: es soll nicht so weit kommen. Draga: Richtig. Und ganz konkret für den Moment selbst: Die Energie muss irgendwo hin. Raus an die frische Luft, schnell um den Block gehen, laut Musik im Auto hören, die Wut aus dem Körper bewegen, bevor man mit dem Kopf redet. Nina: Und wenn's dann doch mal vor den Kindern rausgerutscht ist: Reparieren. Mama war grade zu laut. Ich war wütend. Das hat überhaupt nichts mit dir zu tun. Das tut mir leid.
Ich arbeite an mir. Und damit lernt dein Kind etwas so Wertvolles, nämlich dass Wut existiert, dass Wut sein darf: und dass man danach trotzdem wieder zueinanderfinden Draga: kann. Unsere Kinder schauen sich genau ab, wie wir mit Wut umgehen. Gerade unsere Töchter, aber genauso unsere Jungs. Nina: Und das beschäftigt mich total, weil wenn ich meiner Tochter vorlebe, dass Mama immer alles so runterschluckt und lächelt, dann lernt sie genau das Gleiche, was wir gelernt haben. Und dann geht das weiter um Generationen und mir ist immer ganz wichtig, manchmal vielleicht zu wichtig, dass sie sieht, dass ich mir viele Dinge nicht gefallen lasse. Draga: Und wenn die Kinder stattdessen sehen, Mama ist wütend, sagt das ehrlich, sagt, was sie braucht und danach ist wieder alles gut zwischen uns. Dann lernt das Kind: Meine Wut ist erlaubt und ich darf für mich einstehen. Nina: Ja, und bei den Jungs ist das ja genauso wichtig Draga: Wenn sie erleben, dass Mama ehrlich sagt, was sie ärgert und was sie braucht, dann lernen auch d-die Jungs, die Wut einer Frau ernst Nina: zu Draga: nehmen, statt sie später als irgendwie Drama oder Rumzicken Nina: abzutun.
So wichtig und: das ist vielleicht eigentlich das Schönste an dem ganzen Thema Wut. Wir können das „sei lieb, mach keinen Ärger" bei uns enden lassen. Und fünftens, mit das Wichtigste: Wut ist kein Zeichen dafür, dass du zu viel fühlst. Sie ist 'n Zeichen dafür, dass dir irgendetwas anscheinend sehr wichtig ist. Und das darf sie auch weiterhin einfach Draga: sein. Wenn wir aufhören, unsere Wut als Makel zu behandeln, können wir anfangen, sie als das zu nutzen, was sie ist, nämlich ein Kompass. Nina: Das find ich Draga: schön. Mhm. Nina: Was nehmen wir also mit? Deine Wut- ist kein Fehler an dir. Sie ist 'n Signal für Eine überschrittene Grenze für etwas sehr Unfaires, für etwas, das dir extrem wichtig Draga: ist. Und du darfst sie zeigen, ohne dich dafür kleinzumachen, ohne dich hinterher tagelang zu entschuldigen Nina: Ja genau, denn deine Wut ist kein Makel. Sie ist ein Wegweiser, ein Kompass. Und wenn du ihr zuhörst, statt Sie runterzuschlucken, bist du 'n Riesenschritt weiter.
Draga Und weil uns Themen wie dieses so am Herzen liegen, starten wir ab jetzt: etwas Neues. Bei besonders tiefen Themen holen wir uns ab und zu eine echte Expertin dazu. Ärztinnen, Therapeutinnen, Forscherinnen, Menschen vom Fach, die noch mal tiefer reingehen können, als wir es als Freundinnen können. Nina: Also wir bleiben euch natürlich genauso weiterhin erhalten als Nina und Draga. Ehrlich persönlich mit viel Sarkasmus. Aber ab und zu, wie Draga sagte, holen wir eben Verstärkung hinzu und das Thema Wut ist definitiv da auch ein perfekter Anker für. Und wie gesagt, wenn ihr Ideen auch noch habt zu Themen oder, Experten, Expertinnen, lasst es uns wissen. Draga: Und jetzt wieder mal du: Wo hast du deine Wut zuletzt runtergeschluckt, obwohl sie eigentlich raus wollte? Schreib's uns, wir lesen jede Nachricht. Nina: Und auch Diesen Dienstag wartet wieder 'ne neue Folge auf Draga: dich. Bis dann, mach's dir schön, Freundin,
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